Manche Medikamente sind gut verträglich. Eine leichte Überdosierung verläuft meist unproblematisch. Andere hingegen nicht. Der therapeutische Index (TBI) ist das Verhältnis zwischen der Dosis, die toxische Wirkungen hervorruft, und der Dosis, die die gewünschte Wirkung erzielt. Ein hoher TBI bedeutet einen großen Spielraum zwischen wirksamer und gefährlicher Dosis. Ein niedriger TBI bedeutet hingegen einen geringen Spielraum; bereits kleine Änderungen der Dosis oder des Blutspiegels können zu einer Vergiftung führen.
Warfarin, Digoxin, Lithium und Phenytoin sind klassische Beispiele für Medikamente mit geringer therapeutischer Breite. Sie erfordern regelmäßige Blutspiegelkontrollen, um die Wirkstoffkonzentrationen im therapeutischen Bereich zu halten. Schon geringfügige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Ernährungsumstellungen können zu einer Abweichung vom Zielbereich führen. Medikamente mit großer therapeutischer Breite, wie Penicillin, sind einfacher anzuwenden, da die wirksame Dosis weit unter der toxischen Dosis liegt. Die therapeutische Breite wird anhand von Tierstudien berechnet, ist aber kein perfekter Indikator für die Sicherheit beim Menschen. Manche Medikamente weisen in Tierversuchen eine große therapeutische Breite auf, rufen aber beim Menschen seltene, idiosynkratische Reaktionen hervor.
Was der therapeutische Index beeinflusst:
- Dosierung. Arzneimittel mit geringer Wirkstoffkonzentration erfordern eine sorgfältige Titration.
- Monitoring. Zur Überprüfung der Werte sind häufig Bluttests erforderlich.
- Interactions. Kleine Veränderungen können große Auswirkungen haben.
- Formulierung. Kleine Unterschiede in der Bioverfügbarkeit können von Bedeutung sein.
Bei Arzneimitteln mit engem Wirkstoffindex kann die Substitution durch Generika besondere Vorsicht erfordern, obwohl die Aufsichtsbehörden Bioäquivalenz innerhalb strenger Grenzen fordern.
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