Manche Menschen verstoffwechseln Medikamente schnell, andere langsam. Dieser Unterschied kann darüber entscheiden, ob ein Medikament wirkt, nicht wirkt oder toxische Wirkungen hervorruft. Die Pharmakogenomik untersucht, wie Gene die Reaktion eines Menschen auf Medikamente beeinflussen. Sie kombiniert Pharmakologie und Genomik, um vorherzusagen, wer von einem Medikament profitiert, wer Schaden erleidet und wer eine andere Dosis benötigt.
Die Forschung konzentriert sich auf Gene, die für arzneimittelmetabolisierende Enzyme, Transporter und Zielstrukturen kodieren. Variationen dieser Gene können die Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung eines Arzneimittels beeinflussen. Beispielsweise wirken sich Variationen des CYP2D6-Gens auf den Metabolismus von Codein, Antidepressiva und Tamoxifen aus. Langsame Metabolisierer können Codein möglicherweise nicht in seine aktive Form umwandeln und erfahren daher keine Schmerzlinderung. Ultraschnelle Metabolisierer hingegen können es zu schnell umwandeln, was das Risiko einer Überdosierung birgt.
Pharmakogenomische Tests finden zunehmend Anwendung in der klinischen Praxis. Die FDA kennzeichnet viele Medikamente mit pharmakogenomischen Informationen. Klinische Leitlinien von Organisationen wie dem Clinical Pharmacogenetics Implementation Consortium empfehlen Dosisanpassungen oder alternative Medikamente basierend auf dem Genotyp. Psychiatrie, Onkologie und Kardiologie sind hierbei Vorreiter.
Das Forschungsgebiet ist noch jung. Für die meisten Medikamente gibt es noch keine pharmakogenomischen Leitlinien. Tests sind nicht überall verfügbar. Und die Evidenz für einige Gen-Wirkstoff-Paare ist schwach. Doch die Richtung ist klar: Die zukünftige Verschreibungspraxis wird vom Genom des Patienten bestimmt.
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