Reißt man in einem alten Haus die falsche Wand ein, kann die Decke durchhängen. Diese Wand war tragend. Eine tragende Wand stützt neben ihrem Eigengewicht auch das Gewicht von oben – von Böden, Dach oder anderen Wänden. Entfernt man sie ohne zusätzlichen Balken oder Sturz, verliert die darüberliegende Konstruktion ihre Stabilität.
Tragende Wände sind im Keller oder Dachboden meist leicht zu erkennen. Sie verlaufen senkrecht zu den Bodenbalken, liegen direkt über dem Fundament und fühlen sich beim Abklopfen massiv an. Doch der Schein kann trügen. Eine tragend wirkende Wand kann eine Trennwand sein. Umgekehrt kann eine Wand, die wie eine Trennwand aussieht, einen Balken tragen.
Bei Sanierungsprojekten ist häufig ein Statiker erforderlich, um die tragenden Wände zu ermitteln. Muss eine Wand entfernt werden, wird die Last auf einen vom Statiker dimensionierten Träger oder Sturz übertragen. Dieser Träger leitet die Last an Stützen oder angrenzende Wände weiter. Dies ist eine Routinearbeit, die jedoch fachgerecht ausgeführt werden muss.
Im Hochhausbau sind tragende Wände weniger verbreitet. Stattdessen übernehmen Stahl- und Betonrahmen die Lasten, und die Wände dienen als nichttragende Ausfachung. Das Prinzip bleibt jedoch bestehen: Irgendetwas muss das Gewicht tragen.
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