Entfernt man den Schlussstein aus einem Bogen, stürzt das gesamte Gebilde ein. Dasselbe Prinzip gilt in der Ökologie. Eine Schlüsselart hat, gemessen an ihrer Häufigkeit, einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf ihr Ökosystem. Robert Paine prägte diesen Begriff 1969 nach seinen Untersuchungen an Seesternen an der Pazifikküste. Als er den räuberischen Seestern Pisaster aus den Versuchsflächen entfernte, breiteten sich Muscheln auf dem Gestein aus und verdrängten Seepocken, Algen und andere Arten. Der Seestern war nicht der zahlreichste Organismus. Er war es, der das Ökosystem zusammenhielt.
Schlüsselarten treten in verschiedenen Formen auf. Raubtiere regulieren die Populationen von Pflanzenfressern und schützen so die Vegetation. Wölfe im Yellowstone-Nationalpark veränderten das Verhalten der Elche und ermöglichten die Erholung von Weiden und Espen. Ökosystemgestalter wie Biber und Präriehunde verändern die Landschaft und schaffen Lebensraum für andere Arten. Symbionten wie Feigenbäume, die Dutzende von Tierarten ernähren, spielen eine andere Schlüsselrolle. Werden sie entfernt, hat dies weitreichende Folgen für die gesamte Nahrungskette.
Beispiele
- Seeotter: Sie kontrollieren die Seeigelpopulation und schützen so die Kelpwälder.
- Wölfe: regulieren die Elch- und Hirschpopulationen.
- Biber: Sie bauen Feuchtgebiete, die vielen Arten Lebensraum bieten.
- Feigenbäume: Sie liefern Tieren das ganze Jahr über Früchte.
Schlüsselarten sind nicht immer die charismatischsten oder die häufigsten. Manchmal ist der unauffälligste Organismus derjenige, von dem alles andere abhängt.
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