Etwas mehr als einmal zu sagen, kann es sich besser einprägen oder ihm mehr Gewicht verleihen. Wiederholung ist die bewusste Wiederverwendung von Wörtern, Sätzen, Lauten oder Strukturen. In der Poesie erzeugt sie Rhythmus und Betonung; in der Rhetorik steigert sie die Intensität; in der Prosa kann sie ein Thema unterstreichen oder eine hypnotische Wirkung erzielen. Das Stilmittel ist konzeptionell einfach, aber in seiner Anwendung unendlich vielfältig.
Nicht jede Wiederholung ist stilistisch motiviert. Manche ist zufällig oder ungeschickt. Wirksame Wiederholung ist zielgerichtet: Das wiederholte Element gewinnt mit jeder Wiederholung an Kraft oder verändert seine Bedeutung leicht. Anapher, Refrain und Alliteration sind spezielle Formen der Wiederholung. Selbst die Wiederkehr eines Motivs in einem längeren Werk ist eine Form der strukturellen Wiederholung.
Leser und Zuhörer reagieren auf Muster. Wiederholungen nutzen diese Reaktion. Übermäßiger Gebrauch wirkt ermüdend; gezielt eingesetzt, ist sie eines der wirksamsten Mittel, um Sprache einprägsam und emotional wirkungsvoll zu gestalten. Wiederholungen wahrzunehmen, gehört zum bewussten Lesenlernen.
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