Ein Komiker erzählt einen Witz. Twitter bricht in Tränen aus. Sponsoren ziehen ihre Anzeigen zurück. Der Komiker verliert seine Tournee. Das ist Cancel Culture: die Praxis, einer Person des öffentlichen Lebens die Unterstützung zu entziehen, nachdem sie etwas Anstößiges getan hat. Der Begriff ist umstritten. Manche sehen darin Verantwortlichkeit, andere Lynchjustiz. Die Debatte ist heftig.
Das Phänomen ist nicht neu. Boykotte haben eine lange Geschichte. Der Busboykott von Montgomery 1955 war eine Form der Protestaktion. Der Unterschied liegt in der Geschwindigkeit und dem Ausmaß. Soziale Medien ermöglichen es Millionen von Menschen, sich innerhalb weniger Stunden zu koordinieren. Ein einziger Tweet kann eine Karriere beenden. Ein Hashtag kann eine Bewegung auslösen. Die Macht ist real. Und die Gegenreaktion ebenso.
Argumente für und gegen
- For: hält mächtige Personen zur Rechenschaft, gibt marginalisierten Gruppen eine Stimme.
- Against: lässt rechtsstaatliche Verfahren vermissen, bestraft Fehler unverhältnismäßig, schränkt die Meinungsfreiheit ein.
- Nuance: Der Kontext ist wichtig. Ein Witz ist kein Verbrechen. Ein Missbrauchsmuster hingegen schon.
Cancel Culture ist kein einheitliches Phänomen. Es ist ein Sammelbegriff für eine Reihe von Verhaltensweisen. Manche sind gerechtfertigt, manche nicht. Der Begriff selbst ist eine Waffe. Etwas als „Cancel Culture“ zu bezeichnen, kann dazu dienen, berechtigte Kritik abzutun. Es als „Verantwortlichkeit“ zu bezeichnen, kann eine Hetzkampagne rechtfertigen. Die Wahrheit liegt meist irgendwo dazwischen. Und diese Mitte ist kompliziert.
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