Bei der bilateralen Abstammung verfolgt man seine Vorfahren über die Linien beider Elternteile. Das klingt für viele heute selbstverständlich, ist aber nicht allgemein üblich. Manche Gesellschaften erkennen nur die mütterliche Linie an, andere nur die väterliche. Die bilaterale Abstammung, auch kognatische Abstammung genannt, berücksichtigt beide Seiten. Man gehört somit gleichzeitig zur Verwandtschaft mütterlicherseits und väterlicherseits.
Dieses System ist in Jäger- und Sammlergesellschaften und vielen modernen Industrienationen weit verbreitet. Es bietet Flexibilität. Ist ein Familienzweig distanziert oder wenig hilfsbereit, kann man sich auf den anderen stützen. Erbschaft, Wohnort und soziale Netzwerke können je nach Umständen über beide Linien fließen. Der Nachteil besteht darin, dass die Gruppenzugehörigkeit weniger klar definiert ist. Es gibt keinen Clan oder keine Abstammungslinie, die einen automatisch für sich beansprucht.
Wie es in der Praxis funktioniert
- Verwandtschaftsbezeichnungen unterscheiden oft Verwandte nach Seite und Generation.
- Das Erbe kann unter den Erben beider Elternteile aufgeteilt werden.
- Paare können in der Nähe der Familie eines der Ehepartner wohnen.
- Unterstützungsnetzwerke können sich mit den sich ändernden Bedürfnissen verändern.
Bilaterale Systeme zeigen, dass Verwandtschaft kein starres Schema ist. Sie ist vielmehr das Ergebnis von Entscheidungen, die von Ökologie, Ökonomie und Geschichte geprägt sind.
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