Ein konkretes Gedicht ordnet Wörter auf dem Papier so an, dass sie eine zum Thema passende Form bilden. Die visuelle Anordnung ist Teil der Bedeutung. Ein Gedicht über eine Schlange könnte beispielsweise in geschwungenen Zeilen verfasst sein. Ein Gedicht über einen Baum könnte Wörter in Form eines Stammes und von Ästen darstellen. Form und Wörter wirken zusammen.
Die Form lässt sich bis ins antike Griechenland zurückverfolgen, erlangte aber erst im 20. Jahrhundert durch Dichter wie E. E. Cummings und George Herbert Popularität. Der französische Dichter Guillaume Apollinaire schrieb Kalligramme, Gedichte, die Bilder formten. Moderne konkrete Poesie nutzt häufig Typografie, Zeilenabstand und Schriftgröße, um visuelle Effekte zu erzielen.
Merkmale des konkreten Gedichts
- Wörter, die zu einer Form angeordnet sind.
- Die Form steht in Zusammenhang mit dem Thema.
- Das visuelle Element ist Teil der Bedeutung.
- Verwendet häufig Typografie und Abstände.
- Kann sowohl als Text als auch als Bild gelesen werden.
Ein konkretes Gedicht ist mehr als nur ein Gedicht mit einem Bild. Die Anordnung ist entscheidend. Ordnet man die Wörter in einen normalen Block um, verliert das Gedicht seine Bedeutung. Die Form transportiert Information. Ein Gedicht über eine Sanduhr könnte die Form einer Sanduhr haben. Die Wörter oben stehen für den Anfang, die unten für das Ende. Die Verjüngung in der Mitte symbolisiert den Lauf der Zeit. Der Leser erlebt das Gedicht visuell und verbal zugleich. Konkrete Poesie ist eine hybride Kunstform. Sie vereint Literatur und bildende Kunst. Sie stellt die Vorstellung in Frage, dass Poesie nur aus Klang und Bedeutung besteht. Sie fügt das Visuelle hinzu. Das Papier wird zur Leinwand, die Wörter zu Formen, das Gedicht zum Objekt.
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